Lugano: Die südliche Metropole und ihre sportlichen Höhenflüge
Lugano – Die Perle des Tessin
Lugano liegt im äussersten Süden der Schweiz am Mündungsdelta des Flusses Cassarate in den Luganersee. Die Stadt wird von drei markanten Aussichtsbergen umrahmt: dem Monte Brè (925 m) im Osten, dem Monte San Salvatore (912 m) im Süden sowie dem Sighignola (1314 m) am gegenüberliegenden Seeufer, dessen Gipfel Balcone d’Italia bereits auf italienischem Boden liegt. Mit einer Jahresmitteltemperatur von 13,0 °C für die Normalperiode 1991 bis 2020 ist Lugano die wärmste Station im Messnetz von MeteoSchweiz.
Als Universitäts-, Kongress- und Kulturstadt zieht Lugano Besucher aus dem benachbarten Italien und von jenseits der Alpen an. Die Agglomeration erstreckt sich über die Kantonsgrenze hinaus bis in die italienischen Provinzen Varese und Como und umfasst rund 154'000 Einwohner. Das Zentrum Mailands ist mit Auto und Bahn in etwa einer Stunde erreichbar. Seit 1803 gehört Lugano zum Kanton Tessin, wobei es bis 1881 alle sechs Jahre mit Bellinzona und Locarno um den Hauptortstatus wechselte.
Städtische Entwicklung und Infrastruktur
Die Stadt erlebte in den letzten Jahrzehnten erhebliche territoriale Erweiterungen. Während die Quartiere 1 bis 6 die historischen Stadtquartiere bilden, kamen durch Eingemeindungen 2004, 2008 und 2013 weitere 15 Quartiere hinzu. Aufgrund der durch See und Berge beengten Verhältnisse im Stadtgebiet verlagert sich die wirtschaftliche Entwicklung heute hauptsächlich in die Vedeggio-Talebene ausserhalb der Gemeindegrenzen. Lugano verfügt über den Flughafen Lugano-Agno und ist durch die Autobahn A2 sowie die Bahnlinien der SBB und der Lugano-Ponte-Tresa-Bahn erschlossen.
FC Lugano – Zwischen Glanz, Krise und Neuanfang
Der Football Club Lugano wurde am 28. Juli 1908 unter der Leitung des damaligen Präsidenten Ernesto Corsini gegründet. Fast ein halbes Jahrhundert lang spielte die Mannschaft auf dem Campo Marzio, bevor am 26. August 1951 das Stadio di Cornaredo feierlich eingeweiht wurde. Heute bietet das Stadion nach Sicherheitsreduktionen Platz für 6'330 Zuschauer.
Die goldenen Jahre der 1930er und 1940er
Die grössten Erfolge der Vereinsgeschichte datieren in die Ära vor dem Zweiten Weltkrieg und die unmittelbare Nachkriegszeit. 1931 gewann Lugano erstmals den Schweizer Cup mit einem 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen den Grasshopper Club Zürich. In den folgenden Jahren etablierte sich der Klub als nationale Spitzenmannschaft.
Unter dem ungarischen Trainer Josef „Csibi“ Winkler sicherte sich der FC Lugano 1938 seinen ersten Meistertitel. Der zweite Titel folgte 1941, als der Tessiner Stürmer Alessandro „Mucho“ Frigerio mit 23 Toren in 22 Spielen als Torschützenkönig die Mannschaft anführte. Der Höhepunkt war der dritte Meistertitel 1949 unter Trainer Béla Volentik, den der Verein mit 40 Punkten und einem sensationellen Sieben-Punkte-Vorsprung auf den FC Basel gewann. Dieser Triumph war zugleich der letzte Meistertitel für eine Tessiner Fussballmannschaft bis heute. Die damalige Mannschaft um den zwölffachen Nationaltorhüter Eugenio Corrodi kassierte in 26 Runden lediglich 18 Gegentore.
Der lange Weg zurück nach dem Bankrott
Nach dem Höhenflug folgten Jahrzehnte im Mittelfeld und der zweiten Liga. Im Juni 2002 wurde bekannt, dass der Verein wegen schwerer Finanzprobleme keine Lizenz mehr erhalten würde. Mit Schulden von über 73 Millionen Franken und nach dem Suizid des damaligen Präsidenten Helios Jermini ging der FC Lugano 2003 in Konkurs.
Als AC Lugano neu gegründet und mit dem FC Malcantone Agno fusioniert, musste der Verein in der Saison 2003/04 in der fünftklassigen 2. Liga interregional neu beginnen. Am 4. Juni 2008, zum 100-jährigen Jubiläum, beschloss die Mitgliederversammlung die Rückkehr zum historischen Namen FC Lugano. Nach mehreren Anläufen gelang 2015 der Wiederaufstieg in die Super League. Im August 2021 übernahm der amerikanische Milliardär Joe Mansueto, Besitzer des MLS-Klubs Chicago Fire, die Mehrheitsanteile und initiierte eine neue Ära.
Aktuelle Entwicklungen
Unter der Leitung von Trainer Mattia Croci-Torti gewann der FC Lugano am 15. Mai 2022 zum vierten Mal den Schweizer Cup, als er den FC St. Gallen im Berner Wankdorf mit 4:1 besiegte. Dies war der erste Titelgewinn nach 29 Jahren. In der jüngeren Vergangenheit ereilte den Verein jedoch auch Schicksalsschläge: Im August 2024 verstarb der langjährige Platzwart Cesare Lotti, der seit 20 Jahren für das Stadion Cornaredo zuständig war, urplötzlich an seinem Arbeitsort. Sportlich erlebte der Klub in der Saison 2024/25 einen Rückschlag, als er in der ersten Runde des Schweizer Cups dem unterklassigen SC Cham mit 2:3 unterlag.
HC Lugano – Siebenfacher Schweizer Meister
Der Hockey Club Lugano wurde am 11. Februar 1941 während des Zweiten Weltkriegs im Restaurant Apollo in Lugano gegründet. Nach ersten Spielen auf dem Teich von Muzzano und im Viertel Loreto fand der Klub 1955 in Noranco eine erste feste Eisbahn, bevor er 1975 in die überdachte Eishalle von Mezzovico zog. Nach dem Einsturz dieser Halle 1978 kehrte der HCL zur Resega zurück, die heute als Cornèr Arena bekannt ist.
Die Ära des Grossen Lugano
Unter dem schwedischen Trainer John Slettvoll und dem charismatischen Präsidenten Geo Mantegazza begann in den 1980er-Jahren die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte. Am 1. März 1986 wurde Lugano erstmals Schweizer Meister. Der schwedische Stürmer Kent „Kenta“ Johansson avancierte dabei zum Publikumsliebling und sicherte im entscheidenden Spiel mit vier Toren den Titel.
In den folgenden zwei Jahren verteidigten die Bianconeri ihre Meisterschaft erfolgreich und gewannen so drei Titel in Folge (1986–1988). Ein vierter Titel folgte 1990. Nach einer Durststrecke feierte der HCL weitere Meisterschaften 1999, 2003 und 2006, wobei der Titel 2006 durch ein historisches Comeback von 0:3 in der Finalserie gegen Ambri-Piotta besonders in Erinnerung bleibt. Insgesamt ist Lugano mit sieben Meistertiteln eine der erfolgreichsten Mannschaften im Schweizer Eishockey seit Einführung der Play-offs 1985.
Gegenwart und Zukunft
Aktuell spielt der HC Lugano in der höchsten Spielklasse, der National League. Unter Trainer Tomas Mitell, der seit 2024 das Team betreut, zeigte die Mannschaft zuletzt stark verbesserte Leistungen und näherte sich wieder den Playoff-Plätzen an. Die defensive Organisation und die spielerische Qualität der Bianconeri machen sie zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten im Schweizer Eishockey.